Interne Shortcuts richtig benennen
Der häufigste Grund, warum interne Shortcuts nicht genutzt werden, hat nichts mit der Technik zu tun. Es liegt am Namen.
Wenn go/urlaubsantrag-formular-2026-aktuell im System steht, wird ihn niemand aus dem Kopf tippen. Wenn stattdessen go/urlaub reicht, erinnern sich die Leute daran, ohne nachzuschauen.
Naming klingt trivial. In der Praxis scheitert es aber regelmäßig, weil unterschiedliche Leute unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was ein guter Name ist.
Kurz schlägt beschreibend
Shortcuts sollen aus dem Gedächtnis funktionieren. Das heißt: je kürzer, desto besser. Zwei Silben sind ideal, drei sind akzeptabel, alles darüber wird nachgeschlagen statt getippt.
go/wiki statt go/interne-wissensdatenbank. go/ticket statt go/jira-support-ticket-erstellen. go/reise statt go/reisekostenabrechnung-einreichen.
Im Zweifelsfall: Wie würde jemand den Link in einer Slack-Nachricht beschreiben? “Schick mir mal den Link für Reisekosten” wird zu go/reise. Nicht go/reisekostenabrechnung.
Einheitliche Sprache
Nichts untergräbt ein Shortcut-System schneller als Inkonsistenz. Wenn manche Links auf Englisch sind (go/onboarding), andere auf Deutsch (go/einarbeitung), und wieder andere gemischt (go/new-hire-prozess), muss jeder erst raten, welche Sprache gerade gilt.
Für die meisten Teams funktioniert eine einfache Regel: eine Sprache für alle Shortcuts. In internationalen Unternehmen ist das meistens Englisch. In einem deutschen Mittelständler kann Deutsch die bessere Wahl sein, wenn die gesamte Belegschaft Deutsch spricht.
Wichtiger als die Sprachwahl ist die Konsequenz. Eine Sprache durchhalten, auch wenn es für einzelne Begriffe umständlich wird.
Trennzeichen
go/all-hands, go/all_hands oder go/allhands? Viele Systeme lösen alle drei Varianten gleich auf. Trotzdem sollte sich ein Team auf eine Schreibweise einigen, damit die Link-Bibliothek einheitlich aussieht.
Bindestriche sind die gängigste Wahl, weil sie in URLs üblich sind und sich beim Lesen natürlich anfühlen. Unterstriche funktionieren, sehen aber in manchen Kontexten ungewohnt aus. Zusammengeschriebene Wörter funktionieren bei kurzen Begriffen (go/roadmap), werden bei längeren aber unlesbar (go/quarterlybusinessreview).
Kategorien statt Hierarchien
Manche Teams versuchen, ihre gesamte Organisationsstruktur in Shortcut-Namen abzubilden: go/hr/recruiting/bewerbung, go/it/infra/vpn, go/finance/controlling/budget.
Das funktioniert selten. Erstens erinnert sich niemand an den vollständigen Pfad. Zweitens ändern sich Abteilungsnamen, und dann stimmen die Links nicht mehr.
Besser: flache Namen mit einem optionalen Präfix für den Bereich. go/hr-urlaub, go/hr-gehalt, go/it-vpn. Oder komplett flach, wenn die Begriffe eindeutig genug sind: go/urlaub, go/vpn, go/budget.
Duplikate vermeiden
Das Problem tritt auf, sobald mehr als ein Team Shortcuts anlegt. Marketing erstellt go/analytics für Google Analytics, das Produktteam erstellt go/analytics für das interne Dashboard.
Die Lösung ist entweder ein leichter Zusatz (go/ga, go/product-metrics) oder eine Konvention, wer welche Begriffe “besitzt”. In der Praxis hilft es, vor dem Anlegen kurz zu prüfen, ob der Name schon vergeben ist.
Abkürzungen sparsam einsetzen
go/qbr spart vier Silben gegenüber go/quarterly-business-review. Aber nur Leute, die wissen, was QBR heißt, werden den Link finden. Neue Mitarbeitende, die den Begriff noch nicht kennen, stehen vor einem Rätsel.
Abkürzungen funktionieren, wenn sie firmenintern etabliert sind. go/jira versteht jedes Entwicklungsteam. go/qbr versteht vielleicht nur das Leadership-Team. Im Zweifel: das ausgeschriebene Wort nehmen und eine Abkürzung als Alias anlegen, falls das System Aliase unterstützt.
Regelmäßig aufräumen
Shortcut-Bibliotheken wachsen schnell und veralten genauso schnell. Ein Quartals-Review hilft: Welche Links wurden in den letzten 90 Tagen nicht geklickt? Welche zeigen auf Seiten, die es nicht mehr gibt? Welche haben doppelte oder ähnliche Namen?
Aufräumen ist weniger Arbeit als es klingt. Meistens reicht eine halbe Stunde pro Quartal, um tote Links zu entfernen und verwirrende Namen zu korrigieren.
Checkliste
Bevor du einen neuen Shortcut anlegst, lohnen sich drei Fragen: Kann jemand, der den Link noch nie gesehen hat, ihn erraten? Gibt es schon einen ähnlichen Namen im System? Und passt die Sprache und Schreibweise zu den bestehenden Links?
Wenn alle drei Fragen mit Ja beantwortet sind, wird der Shortcut mit hoher Wahrscheinlichkeit auch genutzt.